Zwei Philosophien, ein Ziel

Beide Bauarten wandeln den Gleichstrom Ihrer Module in nutzbaren Wechselstrom um – nur eben an unterschiedlichen Stellen. Ein String-Wechselrichter sitzt zentral, meist im Keller oder Technikraum, und verarbeitet den Strom mehrerer in Reihe geschalteter Module gemeinsam. Ein Mikrowechselrichter sitzt direkt unter jedem einzelnen Modul auf dem Dach und arbeitet unabhängig von den anderen.

Verschattung: der eigentliche Knackpunkt

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei einem String-Wechselrichter sind alle Module elektrisch miteinander verbunden – verschattet ein Kaminschatten oder ein Baum nur ein einziges Modul, bremst das den Ertrag des gesamten Strangs aus. Beim Mikrowechselrichter arbeitet jedes Modul für sich: Ist eines verschattet, verlieren nur dieses eine Modul an Ertrag – der Rest läuft normal weiter. Auf einem freien Süddach ohne Verschattung spielt das kaum eine Rolle. Bei Gauben, Kaminen, Nachbarbäumen oder Ost-West-Dächern mit unterschiedlichen Ausrichtungen kann der Unterschied dagegen mehrere Hundert Kilowattstunden im Jahr ausmachen.

Wirkungsgrad und Ertrag im Alltag

Isoliert betrachtet hat der String-Wechselrichter mit rund 97 bis 98 Prozent den leicht höheren Wirkungsgrad. Der Mikrowechselrichter liegt bei etwa 96 bis 97 Prozent – gewinnt diesen kleinen Nachteil aber oft durch das modulweise Maximum-Power-Point-Tracking wieder zurück, sobald irgendetwas auf dem Dach nicht ganz ideal ist. Unterm Strich entscheidet meist nicht der Datenblatt-Wirkungsgrad, sondern die Verschattungssituation auf Ihrem konkreten Dach.

Kosten: Anschaffung ist nicht gleich Lebenszykluskosten

In der Anschaffung ist ein String-Wechselrichter klar günstiger – ein Gerät für die ganze Anlage statt eines pro Modul. Beim Blick auf die Lebensdauer relativiert sich das etwas: String-Wechselrichter halten in der Praxis 10 bis 15 Jahre und müssen meist einmal komplett getauscht werden, Mikrowechselrichter oft 20 bis 25 Jahre und damit fast so lange wie die Module selbst. Für die reinen Anschaffungskosten bleibt der String-Wechselrichter trotzdem meist die günstigere Wahl.

Monitoring, Erweiterung und der Ausfall im Ernstfall

Für wen sich was lohnt

Bei einem freien, unverschatteten Süddach ohne Komplikationen empfehle ich in aller Regel den String-Wechselrichter – bewährt, günstig, effizient. Bei Teilverschattung, mehreren Dachausrichtungen, kleinen Dachflächen oder wenn Ihnen das detaillierte Monitoring wichtig ist, spricht vieles für Mikrowechselrichter. Für die meisten Balkonkraftwerke sind sie ohnehin die Standardlösung.

Mein Fazit

Es gibt keinen generellen Gewinner – nur die passende Lösung für Ihr Dach. Ich schaue mir bei jeder Anlage die Verschattungssituation, die Dachform und Ihre Prioritäten an, bevor ich eine Empfehlung ausspreche. Genau das entscheidet am Ende mehr über Ihren Ertrag als jeder Prozentpunkt auf dem Datenblatt.